Sind wir verantwortungslose Verrückte

Robsco

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#1
Servus,

ich habe seit einem Jahr große Freude am Langstreckenmotorradfahren und habe auch schon 3 Rides absolviert.

Ich bin jetzt gerade bei der Planung für den Fools Gold Ride 2018, geht es euch genauso, mit eurer Familie oder Freunden,
das man für verrückt und verantwortungslos gehalten wird, man kann nicht 24 Stunden aufmerksam sein BlaBlaBla........ evtl. kennt ihr das ja.
Also mit dem verrückt sein das ist bei mir sicher so, aber ist es verantwortungslos wenn man sowas macht.?

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht.
 

pihlo

Rallymaster 12Stunden.CH
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IBR Finisher
#2
Die Krux liegt in der Definition von "verantwortungslos"...

Extrembeispiel:
A) es ist verantwortungslos abzutreiben
B) es ist verantwortungslos Kinder in diese überfüllte Welt zu setzen

Fuer jede der beiden Seiten gibt es gute Argumente... Ist eines davon "absolut wahr"???

Ich fahre 70.000km im Jahr - belasten also die Umwelt mit dem Verbrauch von 4.500L Benzin mit CO2, Abrieb von 8 paar Reifen, Entsorgung selbiger auf Deponien, etc. Ist das notwendig? Nein, definitiv nicht! Ist es verantwortungslos? Sagen wir Mal so - ab und zu meldet sich mein Gewissen dabei, aber ich habe mich damit arangiert.
Was immer man tut - man richtet "Schäden" an. Ich könnte sagen das andere mit ihren Maserati oder Flugzeugen oder.... Mehr anrichten - blöderweise belasten Fahrradfahren und wandern die Umwelt weniger.
Ich behalte mich selber in den ich das was ich tue so tue das ich die "Schäden" Versuche zu reduzieren. Also z.b. Lärm vermeide durch niedertourig fahren, nicht zwingend Ride um Ride zu fahren nur um viele Rides zu bekommen,....

Es bleibt aber immer ein abwiegen.... Ich habe Spass, meine Sozia hat Spass und das geht einfach vor - sprich "Peter First" - das ist verantwortungslos - aber ich sehe keine Alternative, denn auf mein Hobby will ich nicht verzichten....
 
#3
ich denke die Frage nach verantwortungslos war mehr in Richtung Sicherheit, bzw Gefährdung anderer durch Übermüdung oder mangelnder Konzentration bei sehr langen Fahrten gemeint - was ist da deine Meinung dazu, du hast ja extrem viel Erfahrung?
 

pihlo

Rallymaster 12Stunden.CH
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IBR Finisher
#4
Unter dem aspekt gilt einfach das was überall gilt wo man seine Grenzen auslotet - Geh es langsam an und ein Abbruch zeugt von deutlich mehr Charkterstärke als es auf deibel komm raus durch zu ziehen.
Konkret - wenn einer als ersten Ride einen SS3000 fährt halte ich das zumindest für "bedenkenswert", Wenn ich einen Ride fahre und genau weiss das ich unmittelbar danach einen sehr wichtigen Termin habe - bedenkenswert - denn meine Gedanken sind woanders, Wenn mein Ride mit den Gedanken beginnt das die Reifen dafür noch so eben genug profil haben - verantwortungslos. Und - das ist meine persönliche Meinung - alle BBx Gold Rides sind für mich verantwortungslos denn sie erfordern eigentlich schon eine Planung der überschreitung von Grenzenen - n*24h mit einem Schnitt von 100km/h (= real >130km/h) ist einfach nur noch unverantwortlich. Insbesondere wenn ich im Selbem Atumzug erzähle das wir uns dem sicherem Fahren verschrieben haben... (nochmal: Meine persönliche Meinung)

Wenn jemand aber (wie es die meisten/fast alle) tun - wochen in die Vorbereitung steckt, seine aktuell Grenzen kennt und sie erkennen kann, relaxt starten kann und vorher auch schon mal etwas deutlich anderes als eine 200km Tagestour gefahren ist und auch bereit ist zu sagen "heute wird das nix" - dann GO: Plane, Fahre, hab Spass - und das ist dann auch "verantwortungsbewusstes Handeln" (ok, Umwelt bleibt weiter ein Punkt)
 

Robsco

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#5
ich denke die Frage nach verantwortungslos war mehr in Richtung Sicherheit, bzw Gefährdung anderer durch Übermüdung oder mangelnder Konzentration bei sehr langen Fahrten gemeint
Genau das ist es was mir entgegebracht wird, jedoch hängt auch einiges an Planung dran das es einigermaßen gut zu bewältigen ist.
Ich für mich fahre in den Alpen auch Touren um die 700km und denke dann müsste man sowas auch als verantwortungslos den anderen gegenüber ansehen.
Aber wie bei allem wenn es jemand nicht selber schon mal gemacht kann man es schwer einschätzen.
 

pihlo

Rallymaster 12Stunden.CH
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IBR Finisher
#6
Die Kilometer/Tag sind eh kein Massstab... 700km/Alpenbuttrally sind brutal anstrengender als 1.300km/Tag IronButtRally...
 
#7
Verantwortungslos wird es ab dem Augenblick, an dem ich meine eigenen Grenzen überschreite und ab diesem Moment nicht nur mich, sondern auch andere gefährde. Immerhin bewegen wir uns bei unserem Tun im öffentlichen Straßenverkehr. Wenn ich weiterfahre, obwohl mir die Augen zufallen, ich keine Pause mache, obwohl ich einen Fahrfehler nach dem anderen begehe, dann handle ich definitiv Verantwortungslos.
 

DiSa

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#9
Hallo Robert,

nein, ich zähle mich nicht zu den verantwortungslosen Fahrern, wenn ich einen ride fahre. Ich halte mich durch entsprechendes Ausdauertraining auch körperlich fit. Ich habe auch jederzeit die Möglichkeit einen ride abzubrechen, wenn es mir zu stressig wird.

Ich finde es aber nicht mehr verantwortungsvoll, wenn ich einen geplanten ride vorab im RT-Freunde Forum ankündige, dort einen Link veröffentliche auf dem jeder Interessierte meinen Track live mitverfolgen kann, naturgemäß dann auch sehr viele anfeuernde Kommentare bekomme, diese von unterwegs noch beantworte und Fotos von einem Bad im Mittelmeer - ebenfalls von unterwegs - ins Forum einstelle.

Dadurch bist Du in Deinen Entscheidungen dann nicht mehr so frei um ggfs. den ride abzubrechen und setzt Dich einem zusätzlichen Druck aus.

Es hat schon einen guten Grund, warum die IBA keinerlei Voranmeldungen von zu fahrenden rides haben will.

Gruß Dieter
 
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Robsco

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#10
Servus Dieter,

du sprichst meinen Ride nach Nizza an, den hatte ich ja nicht wochenlang eingestellt sondern erst als klar war das ich fahre,
ob das verantwortungslos ist weiß ich nicht, ich tracke eigentlich alle meine Fahrten, gut den Link hat dann nur meine Frau und Sohn.

Zum Bad im Mittelmeer, Pausen sollen ja gemacht werden, das zeigt ja auch das es einigermaßen entspannt war, ich bin auch noch durch Monaco und Mailand usw. gefahren, also eine Hetzerei war es nicht man musste jedoch doch auf die Zeit achten.

Bei den Eisenärschen in USA werden viele Rides über Spotwalla getrackt und immer wieder mit netten Bildern von unterwegs
in Facebook ergänzt, was mir sehr gut gefällt, somit scheint mir das die Routen sehr gut geplant sind und immer noch ein bisschen Zeit
für das Schöne (neben dem Motorradfahren) bleibt.

Ich scheue mich auch nicht einen Ride abzublasen wenn es nicht passt (auch schon geschehen), verstehe aber auch deinen Einwand das evtl. ein Druck entstehen kann wenn man meint etwas beweisen zu müssen, aber aus dem Alter bin ich glaube ich raus, es geht mir um den Spaß am Fahren
mit etwas Spannung.

Also mir gefällt träcken, sei es Motorrad, Wandern oder sonst was. :)
 
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#11
Servus Robert,

ich habe deine Posts auch im RT-Freunde-Forum gesehen.
War zwar ganz interessant. Ich würde aber dort (oder auch woanders) - wie Dieter geschrieben hat - auch nicht vorab sondern allenfalls hinterher von dem Ride berichten - wie 2016 nach meiner 16/24-Runde.

Ansonsten gilt nach meiner Ansicht:
Jeder muss für sich selbst wissen und entscheiden, was er verantworten kann und was nicht.
Das kann man nicht verallgemeinern.

Gruß aus Issum
Klaus
 
#12
So wie schon DiSa geschrieben hat ist die körperliche Fitness sehr wichtig beim Langstreckenfahren. Bei den anderen hier geschriebenen Kommentaren bin ich auch bei den meisten "dabei". Beim vorher ankündigen ist das so wie schon geschrieben jedem seine persönliche Sache. Kann sein das man einen nicht notwendigen Druck aufbaut. Zum Thema was die anderen sagen habe ich auch schon einige Erfahrungen gemacht: Bin in Österreich bei 1000PS als freier Mitarbeiter dabei. Im1000PS Forum werden manchmal meine Langstreckenfahrten bei Interview´s und auch die Kilometer die ich gefahren bin erwähnt. Dann gibt es immer wieder die untergriffigen Kommentare wie z.B. "Ein LKW Fahrer muss alle 4 Stunden ein Pause machen du (ich Varahannes) fährst 18 oder mehr Stunden ohne Pause durch, das ist Verantwortungslos!" Solche und ähnliche Kommentare kannst einfach vergessen. Denn wenn ein normaler Arbeiter einen körperlich anstrengenden Job hat und am Bau noch 3 Überstunden machen MUSS, hat er 11 Stunden hart gearbeitet und der lässt sich dann auch nicht mit dem Taxi nach Hause bringen. Fährt auch müde vom Arbeit möglicherweise noch 80 bis 100 km nach Hause. Hat nach der Arbeit auch keine Pause gemacht damit er "frisch und munter" nach Haus fährt.
Bei den Kommentaren der Anderen habe ich mal die Aussage gemacht: "Wie soll in einem Hirn von einem z.B. 4000 km Jahresfahrer eine 3000 km Tagesfahrt von einem Langstreckenfahrer Platz haben!" Das geht einfach nicht. In der Beziehung sind wir einfach anders und können nicht auf Verständnis der Anderen treffen. Ich selbst bin, so wie philo geschrieben hat, sehr viel mit dem Motorrädern unterwegs. 2016 bin ich mehr als 101.000 km gefahren, 2017 waren es etwas weniger aber immerhin noch etwas mehr als 92.000 km. Trotz dem hohen Benzinverbrauch der dabei entsteht fühle ich mich nicht schlecht und fahre weiter.
Liebe Grüße aus dem eisigen verschneiten Kärnten, Hannes
 
Last edited:

Manfred

Active Member
#13
Hallo Dieter,

Ich finde es aber nicht mehr verantwortungsvoll, wenn ich einen geplanten ride vorab im RT-Freunde Forum ankündige, dort einen Link veröffentliche auf dem jeder Interessierte meinen Track live mitverfolgen kann, naturgemäß dann auch sehr viele anfeuernde Kommentare bekomme, diese von unterwegs noch beantworte und Fotos von einem Bad im Mittelmeer - ebenfalls von unterwegs - ins Forum einstelle.

Dadurch bist Du in Deinen Entscheidungen dann nicht mehr so frei um ggfs. den ride abzubrechen und setzt Dich einem zusätzlichen Druck aus.

Es hat schon einen guten Grund, warum die IBA keinerlei Voranmeldungen von zu fahrenden rides haben will.

Zähle ich zu den Wenigen, der gute Erfahrungen mit der Vorankündigung eines Rides gemacht hat?

2016 wollte ich unbedingt den 16/24iger als ersten Ride fahren.
Nachdem geteiltes Leid halbes Leid ist, habe ich in diversen Foren nach einem Mitfahrer gesucht.
In einem Forum hat sich einer gemeldet und das positive Echo darauf war enorm.
Sie wollten uns sogar des nächtens von einer Autobahnbrücke mit Handy/Taschenlampen motivieren
(gerade richtig bei einem kleinen Durchhänger)!
Leider ist nix daraus geworden...


In einem anderen Forum habe ich einen Mitstreiter gefunden und wir haben den 16/24 gemeinsam durchgezogen.

Mittlerweile habe ich 17 Rides (kene Extremrides) hinter mir - der erste (und einzige) bei dem ich nicht alleine gefahren bin, war der schönste.

Nicht nur, weil es durchaus angenehm ist sich in den Pausen auszutauschen, sondern auch, weil das Risiko in die Botanik gekickt und in der Nacht ein paar Stunden unbemerkt dort verbringen zu müssen deutlich minimiert wird.

Einen einmal begonnenen Ride infolge widriger Umstände abzubrechen zeugt von hohem Verantwortungsgefühl.
Wer das als Schwäche auslegt hat sich als Gesprächspartner disqualifiziert.

Es ist mein Ride, ich fahre und ich entscheide.
Einen zusätzlichen Druck habe ich nicht.
Wer sich von anderen bei seinen Rides unter Druck setzen lässt, sollte sich auf's Briefmarken sammeln verlegen
(ist aber meine ganz persönliche Meinung).

Wer vorankündigen möchte sollte es tun
wer es nicht möchte sollte es nicht tun
Wer alleine fahren möchte sollte es tun
Wer in der Gruppe fahren möchte sollte es tun

Alles kein Problem
Hauptsache man geniest die Fahrt und hat Spass daran...
 
#14
Zur Ursprungsfrage zurück: Ja, klar! Sonst würden wir so einen Blödsinn doch nicht machen: Wochenlang darüber nachdenken, mit welcher Idee man den nächsten Ride begründet, nächtelang vor'm Rechner sitzen, Routen probieren, verwerfen, Alternativen planen, Roadbook schreiben, Wettermodellen zur Langfristprognose gegen besseres Wissen Glauben schenken, zum gesetzten Termin trotz Schauervorhersage denoch losfahren, das kopfschüttelnde Unverständnis von Missus milde lächelnd ertragen, weil man weiß, daß sie wegen der ganzen Dokumentation einen in größter emotionaler Sicherheit ziehen läßt, denn man fährt ja nicht heimlich nur zur Geliebten... Mitten in der Nacht mit einem unfreundlichen Tankwart in Ostwestfalen konfrontiert zu werden, in Frankreich am Automatendrucker keinen Beleg zu bekommen, schlechten Automatenkaffee an der Tank&Rast XY zu konsumieren usw. kann man auch auf der Urlaubsfahrt mit dem Auto haben, mit dem Mopped macht's aber einfach mehr Spaß. Hinterher im Alltag keine Zeit finden (wollen), den Antrag auf Überprüfung einzureichen, aber schon die nächsten Touren visionieren. Bekloppt, bekloppt, bekloppt. Aber schön. 150 bis 500 Euro Benzingeld verblasen, Mautgebühren blechen, Vignetten kleben, dem Motorradhändler erklären, warum man schon wieder einen neuen Satz Reifen braucht. Wenn ich mit 75 das letzte Mal vom Motorrad falle und beschließe, die alte Lederjacke an den Nagel zu hängen, weil es einfach nicht mehr geht, dann nur mit einem schwarzen MEA-Patch (da sollte sich Gerhard noch mal designtechnisch was einfallen lassen)!
 
#15
Wer kennt sich selbst so gut, daß er von sich sagen kann, daß er verantwortungsvoll Mopped / Langstrecke fährt?
Der 2500km/Saison-Schönwetterfahrer-aber-nur-wenn-das-Chrom-keine-Fliegen-abkriegt, der engagiertere wie ich, der mit 15TKM/Jahr seit 12 Jahren unterwegs ist oder so einer wie der Rüdiger oder der Varahannes, der sogar Motorräder zum Kaputtfahren geschenkt bekommt?
Für ersteren wird schon die Planung der Fahrt zur Eisdiele im Nachbarort zur Herausforderung, weil er an 3-4 nicht vorfahrtberechtigten Straßen vorbei muß, ich hau mich trotz reichlich Fahrpraxis nach 3 Jahren ohne Unfall mal wieder hin (innerorts) und fahre 2 Wochen später wieder einen Ride und die Experten planen auch noch jede Fahrt, auch wenn sie wahrscheinlich jeden Tankstellenpächter mit Vornamen kennen.
Wer im Rahmen seiner Fähigkeiten bleibt, sich im Training weiterentwickelt, Erfahrung einfährt und daraus lernt und sich weder durch intrinsische noch durch extrinsische Motivation in's Bockshorn jagen läßt, auf seinen Bauch und sein Gähnen hört und erlernte oder ausgedachte Strategien parat hat, wenn es etwas nicht wie geplant funktioniert, der handelt verantwortungsbewußt. Egal, ob er Eltern ist, Motorrad fährt, Sägewerksbesitzer oder Kernkraftwerkbetreiber.